DIY-WORKSHOP
“Fühlen mit Farbpaaren”
Ein Collage-Workshop zum Ausdrücken und Versorgen deiner Gefühle
Gefühle suchen sich einen Ausdruck. Manchmal fehlen die Worte, aber eine Farbe oder ein Schnipsel können spielerisch aushelfen. Dieser Workshop lädt dich ein, ein Gefühl sichtbar zu machen und ihm dann etwas anzubieten, das es versorgt.
Ergänzen mit Komplementärfarben
Im Farbkreis stehen Komplementärfarben einander direkt gegenüber – Rot und Grün, Blau und Orange, Gelb und Violett. Nebeneinander verstärken sie sich gegenseitig, sie wirken lebendig, manchmal fast elektrisch. Das ist kein Zufall, sondern Physik: Das Auge sucht nach dem, was fehlt.
In diesem Workshop nutzen wir dieses Prinzip für Gefühle. Du wählst eine Farbe für das, was du gerade fühlst und ergänzt sie dann mit ihrer Komplementärfarbe. Die zweite Farbe fragt: Was könnte dieses Gefühl brauchen?
1 Ankommen
Bevor du Seiten aufschlägst oder Schnipsel schneidest: Halte kurz inne. Leg die Hände in den Schoß, schließ die Augen für ein paar Atemzüge.
Was ist gerade da? Was spürst du – im Körper, im Kopf, irgendwo?
Du musst es nicht benennen können. Lass einfach etwas auftauchen.
Es kann ein unangenehmes oder überforderndes Gefühl sein, es kann aber auch etwas Leises sein oder etwas Angenehmes, das gepflegt werden möchte.
2 Gefühle ausdrücken
Welche Farbe gehört zu diesem Gefühl? Nicht überlegen – einfach greifen. Vertrau dem ersten Impuls. Das ist deine Ausdrucksfarbe.
Blättere durch Zeitschriften, Kataloge, altes Papier und such dir 5 Schnipsel in dieser Farbe zusammen.
Folge der Intuition, nicht dem Verstand.
Die Schnipsel dürfen rein farbig sein oder auch inhaltlich passen: ein Wort, ein Bild, eine Textur.
Schneide oder reiß sie aus. Welche Form bekommen sie?
Lege die Schnipsel auf dem Papier aus. Experimentiere: Wohin wollen sie? In die Mitte? An den Rand? Übereinander? Lass ein Arrangement entstehen, bis es sich stimmig anfühlt. Dann klebe alles fest.
3 Wahrnehmen
Leg die Collage vor dich hin und schau sie eine Weile an.
Was brauchen diese Schnipsel? Was fehlt dem Arrangement? Mehr Raum? Etwas Weiches daneben? Einen Gegenpart, der standhält?
Du musst das nicht mit dem Kopf herausfinden. Du musst es auch nicht als Bedürfnis formulieren oder erklären können. Lass die Formen sprechen und such dann die Komplementärfarbe, die antwortet.
4 Bedürfnisse versorgen
Jetzt gehst du in dieselbe Schnipsel-Suche, nur mit der Versorgungsbrille.
Wieder etwa 5 Schnipsel – intuitiv gewählt, in der Komplementärfarbe.
Auch vom Motiv darf etwas passen, aber muss nicht. Farbe und Form reichen.
Leg die neuen Schnipsel zur bestehenden Collage. Wo wollen sie hin? Daneben, darunter, drum herum?
Die neuen Schnipsel müssen das Gefühl nicht übertönen. Sie dürfen einfach daneben sein.
Wenn sich das Arrangement vollständig anfühlt, klebe alles fest.
5 Nachklingen lassen
Leg die fertige Collage vor dich hin. Schau sie an, ohne zu bewerten.
Was siehst du jetzt? Was überrascht dich?
Wie ist es, beides nebeneinander zu sehen, das Gefühl und das, was es versorgt?
Wenn dir danach ist: Stell dir einen Timer für 10 Minuten und schreib automatisiert deine Gedanken dazu auf. Einfach kommen lassen, was gerade da ist.