Jahresrückblick
“Erinnerungssalon”
Diese Übung lädt dich ein, dein Jahr nicht erzählerisch nachzuvollziehen, sondern räumlich. Inspiriert von der sogenannten Salonhängung – einer historischen Form der Kunstpräsentation, bei der Bilder dicht an dicht, über- und nebeneinander an den Wänden hängen – entsteht eine kleine persönliche Galerie aus Fragmenten.
Du sammelst dafür kleine Spuren deines Jahres – Fotos, Skizzen, Wörter, Bilderschnipsel – und lässt sie wie Miniatur-Gemälde in deinem Skizzenbuch zusammenrücken. Nicht, um Ordnung zu schaffen, sondern um Nähe, Abstand und Resonanz sichtbar werden zu lassen.
Handle intuitiv und löse dich vom Anspruch der Vollständigkeit. Du musst dein Jahr nicht rekonstruieren, um es zu kuratieren. Nutze das, was jetzt in diesem Moment hervortritt – das, was sich zeigt, weil es gerade Bedeutung hat.
So entsteht eine kleine Salonhängung deiner Erinnerungen: ein dichter, lebendiger Raum, in dem dein Jahr sich nicht erklären muss, sondern über die Verbindungen sichtbar werden darf.
1 Persönliche Elemente sammeln
Materialien: Nutze Dinge, die dein Jahr repräsentieren*:
Fotos oder Bilder, die du verkleinert hast**
kleine Zeichnungen oder Collagen
abgerissene Bons, Tickets, Fetzen aus alten Notizbüchern
Wörter, die du im Laufe des Jahres Bedeutung hatten
Farbkarten
**Bilder kannst du abfotografieren und mit einem Drucker verkleinern oder bei dm als kleine Fotos ausdrucken.
Auswahl: Konzentriere dich auf Fragmente, die eine Bedeutung für dich haben, egal ob große oder kleine Momente.
Dafür können diese Fragen hilfreich sein:
Welche Ereignisse/welche Erfahrungen haben dich dieses Jahr besonders berührt oder beeindruckt?
Welche deiner Gefühle erinnerst du besonders deutlich?
Welche Erkenntnisse hast du dieses Jahr über dich dazu gewonnen?
2 Elemente arrangieren
Vorbereiten: Nutze eine Doppelseite in deinem Skizzenbuch oder ein großes Zeichen- oder Tonpapier, um die Bilder zusammenzuführen. Halte Schere und Kleber bereit.
Kuratieren:
Ordne alles an, ohne an Ordnung zu denken. Stell dir vor, du hängst die Wände eines alten Salons.
Hoch über Kopf darf etwas hängen, das dich herausgefordert hat.
Nah am Boden die Dinge, die dich geerdet haben.
In der Mitte kannst du die Bilder einbetten, die mit starken Gefühlen verknüpft sind.
Es gibt kein richtig und kein falsch. Vielleicht findest du auch deine ganz persönliche Anordnung.
Nachklingen:
Wenn dir danach ist und du plötzlich neue Verbindungen zwischen den einzelnen Bildern/Themen entdeckt hast, kannst du dir einen Timer für 10 Minuten stellen und einen freien Text zum Abschluss schreiben.
*Übrigens: Falls du diesen Rückblick von unterwegs aus machen möchtest und kein Material in dem Sinne dabei hast, kannst du dir deine eigene Erinnerungswand auch skizzieren. Zeichne unterschiedliche Rahmen und trage darin Symbole oder Wörter für verschiedene Erinnerungen ein oder nutze Collage-Schnipsel als Platzhalter (Papierreste von Verpackungen, Briefen, Broschüren usw.)